Poem Art
Bei diesem digitalen Bilderzyklus wurden Gedichte von Gert Zielke visualisiert. Die Serie war bereits in Frankfurt am Main, Berlin und Göteborg ausgestellt. Alle Bilder sind digital verfügbar und auch großformatig reproduzierbar. Preis auf Anfrage über das Kontaktformular ('Contact').
Text by Gert Zielke, www.gertzielke.de

Feuerwasser
In Feuerwasser eingebettet
treibt ein Boot den Amazonas stromabwärts,
das Licht ist kalt und aus den Wäldern
träufeln feuchte Illusionen von Glück und Schmerz.
Sie haben keinen Platz mehr, irgendwo zu wohnen.
Der Kapitän, der nie ein Raumschiff flog.
verfolgt mit schnapsgetränkten Augen
die Wasser, die ihn ins Verderben führen,
doch nie im Leben würde er am Schicksal rühren,
das jetzt ihn in die Tiefe zog.
Das Schicksal hatte ihn von Anfang an belogen.
Am Bug des Bootes, das sie trägt,
sitzt eine Frau und sieht mit blinden Augen.
Sie sitzt in einem prachtvoll feingewebten Kleid
und spricht zum wiederholten Mal von alten Zeiten,
als in den Wäldern alles lebte, alles wuchs
und bunte Vögel über allem schwebten.
Ja, die Gespenster kennen keine Zeit.
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Lilith
Lilith, du dunkle Kreatur, die schon Dämonen zeugte.
Du, deren weißer Körper seit Zeiten strahlt wie Sonnenlicht,
dass selbst der Satan schrie vor Schmerz
und schwarze Tränen weinte,
und Sehnsucht seine Taten trieb.
Lilith, nimm die Träume aus meinem Herzen
und sage mir,
warum der Flug zur Hölle Verspätung hat.
Ist wieder ein Kapitän besoffen
und findet sich mit hundertneunzig Toten
in den Slums von Kalkutta.
Lauter Fragen, Lilith,
lauter Tote,
und wir sitzen hier
und der Wein ist zu süß
und der Spargel ist so matschig
wie noch nie.
Späte Küsse, Lilith.
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Sausalito
Es war im Sommer,
als die Sonne selbst die letzten
Pflanzen dörrte,
als alles ruhte, alles schwieg,
als kaum ein Atemzug die Luft beschwerte,
kein Vogellaut die Stille störte,
da warb ich kühn,
auf einem herrlich bunten Großplakat,
für ein Bordell in Sausalito.
Es hing an jeder freien Stelle
in der Stadt.
Kaum war die Nacht erwacht,
da regten sich die Geister,
die Träume wuchsen,
und tausendfaches Leben
durchdrang die Nacht.
Man hörte Schritte, Wispern, Fluchen,
Schatten nach den Wegen suchen,
in Nebengassen finstere Gespenster.
Es war das Fest
in dem Bordell in Sausalito,
bis in den Morgen,
als der erste Sonnenstrahl erwacht,
und die Vampire die steilen Stacheln
allem Fleisch entwanden,
die Sonne stahl dem Leben jede Macht.
Der Fremde,
der an diesem Tag nach Sausalito kam,
sah eine trostlos, halb verdorrte Stadt,
mit Menschen, die wie Leichen an den Wegen lagen,
in der die Toten noch um Leben baten,
und hinten im Gebirge
Wetterleuchten.